Integration durch den Magen

Internationaler Kochtest in Reither Schulküche


Von Walter Zwicknagl (Tiroler Tageszeitung)

Den Flüchtlingen aus St. Gertraudi machte ihr Kochauftritt in der Schule richtig Spaß. Organisator war ein engagierter Mathematiklehrer.


Reith i. A. – In die Schulküche nach Reith wurden 20 Flüchtlinge, die in St. Gertraudi betreut werden, eingeladen. Und es gab fast ein babylonisches Sprachengewirr, als die Kochlöffel geschwungen und Gemüse geschnitten wurde und da und dort noch die Speisen mit einem Gewürz zu verfeinern waren.

Die Idee dazu stammte vom Mathematik- und Informatiklehrer Emre Ünlü, der mit neun Jahren mit seinen Eltern aus der Türkei nach Tirol kam, am Landecker BRG maturierte und seit drei Jahren fixer Bestandteil des Lehrkörpers an der NMS Reith im Alpbachtal ist.

„Integration durch den Magen“ war nun das Motto, als Flüchtlinge und Eltern der Schüler sowie Buben und Mädchen der NMS zu Tisch gebeten wurden. Auf der Speisekarte standen eine anatolische Linsensuppe, ein mazedonisches Gulasch, afghanischer Reis, ein arabischer Salat, syrisches Brot und Milchreis als Nachspeise. Um sämtliche Zutaten bemühte sich der 24-jährige Lehrer, der voller Ideen ist und von Schulleiter Rudi Ritzer als Bereicherung im Lehrkörper gesehen wird. Die Kosten für die Lebensmittel trug die Gemeinde Reith. Und es hat auch BM Johann Thaler geschmeckt, als nach zweieinhalb Stunden emsiger Arbeit in der Küche serviert werden konnte.

„Ich finde es gerade in Zeiten wie diesen besonders wertvoll, ein solches Zeichen zu setzen. Derzeit besucht ein Flüchtlingskind unsere Schule, was für die einheimischen Kinder völlig unproblematisch ist“, erzählt Direktor Ritzer. So mancher Flüchtling könne in solchen Stunden seine oft wenig rosige Situation vergessen. „Ich sehe darin eine Möglichkeit, soziale Haltung und Denkweise zu praktizieren“, sagt Emre Ünlü, der selbst beim Kochen zur sprachlichen Drehscheibe wurde.

„Von solchen Lehrern profitieren das oft kritisierte Schulsystem, das Schulklima und nicht zuletzt die Gesellschaft“, sagt der Direktor.